Kinderbetreuung: Wahlfreiheit und Bindungsqualität statt Krippendruck!

Petition an: Familienministerin MMag. Dr. Sophie Karmasin

 

Kinderbetreuung: Wahlfreiheit und Bindungsqualität statt Krippendruck!

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Kinderbetreuung: Wahlfreiheit und Bindungsqualität statt Krippendruck!

Familienministerin Sophie Karmasin meinte kürzlich, dass sich die frühkindliche Fremdbetreuung positiv auf die Entwicklung insgesamt und auch auf die weitere "Bildungskarriere" auswirkt. In der Krippe sieht sie eine Bildungschance, die jenen Kindern verwehrt bleibt, die in den ersten Lebensjahren zuhause aufwachsen. Daraus schließt die Familienministerin, dass Krippen verstärkt zu fördern sind.

Dem widersprechend gibt es eine Reihe aussagekräftiger Untersuchungen zu Fragen der sozio-emotionalen und kognitiven Entwicklung von Kindern in Tagesbetreuung. Unter der Regie des renommierten „National Institute of Child Health and Development (NICHD)“ entwickelte eine Gruppe weltweit führender Spezialisten für frühkindliche Entwicklung Anfang der 1990er-Jahre ein ausgefeiltes Untersuchungsdesign, in dem nahezu alle Faktoren berücksichtigt wurden, die für die kindliche Entwicklung relevant sind. Mehr als 1.300 Kinder, überwiegend aus "Mittelschichtfamilien", im Alter von einem Monat wurden in die Studie aufgenommen. Über einen Zeitraum von 15 Jahren wurden dann die kognitive Entwicklung und das Verhalten der Kinder detailliert gemessen.

Beunruhigend war der Befund, dass Krippenbetreuung sich unabhängig von sämtlichen anderen Messfaktoren negativ auf die sozio-emotionalen Kompetenzen der Kinder auswirkt. Je mehr Zeit die Kinder kumulativ in einer Einrichtung verbrachten, desto stärker zeigten sie später dissoziales Verhalten wie Streiten, Kämpfen, Sachbeschädigungen, Prahlen, Lügen, Schikanieren, Gemeinheiten begehen, Grausamkeit, Ungehorsam oder häufiges Schreien. Unter den ganztags betreuten Kindern zeigte ein Viertel im Alter von vier Jahren Problemverhalten, das dem klinischen Risikobereich zugeordnet werden muss. Später konnten bei den inzwischen 15 Jahre alten Jugendlichen signifikante Auffälligkeiten festgestellt werden, unter anderem Tabak- und Alkoholkonsum, Rauschgiftgebrauch, Diebstahl und Vandalismus.[i]

Noch ein weiteres, ebenfalls unerwartetes Ergebnis kristallisierte sich heraus: Die Verhaltensauffälligkeiten waren weitgehend unabhängig von der Qualität der Betreuung. Kinder, die sehr gute Einrichtungen besuchten, verhielten sich fast ebenso auffällig wie Kinder, die in Einrichtungen minderer Qualität betreut wurden. Grundsätzlich zeigte sich aber, dass das Erziehungsverhalten der Eltern einen deutlich stärkeren Einfluss auf die Entwicklung ausübt als die Betreuungseinrichtungen.[ii]

Diese in den letzten zehn Jahren erhobenen Daten belegen, so Dr. Rainer Böhm, Kinder- und Jugendarzt mit Schwerpunkt Neuropädiatrie[iii], dass es sich bei den Verhaltensauffälligkeiten, die in der NICHD-Studie registriert wurden, nur um die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs handelt. Dank einer speziellen Technik konnten Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten Ende der 1990er Jahre bei Kleinkindern in ganztägiger Betreuung in zwei „Daycare Centers“ erstmals das Tagesprofil des wichtigsten Stresshormons Cortisol bestimmen. Entgegen dem normalen Verlauf im Kreis der Familie – hoher Wert am Morgen und kontinuierlicher Abfall zum Abend hin – stieg die Ausschüttung des Stresshormons während der ganztägigen Betreuung im Verlauf des Tages an, ein untrügliches Zeichen einer erheblichen chronischen Stressbelastung.

Eine Meta-Analyse einer niederländischen Wissenschaftlerin, die neun ähnliche Folgestudien auswertete, bestätigte diese Ergebnisse. Somit muss als gesichert gelten, dass besorgniserregende Veränderungen des Cortisolprofils vor allem bei außerfamiliärer Betreuung von Kleinkindern auftreten, und das selbst bei qualitativ sehr guter Betreuung.

Cortisol-Tagesprofile, wie sie bei Kleinkindern in Kinderkrippen nachgewiesen wurden, lassen sich am ehesten mit den Stressreaktionen von Managern vergleichen, die im Beruf extremen Anforderungen ausgesetzt sind.

Vor allem Kinder im Alter unter zwei Jahren zeigten nach fünf Monaten qualitativ durchschnittlicher Krippenbetreuung Cortisol-Tagesprofile vergleichbar mit den Werten, die in den 1990er-Jahren bei zweijährigen Kindern in rumänischen Waisenhäusern gemessen wurden. Diese Befunde lassen keinen anderen Schluss zu als den, dass eine große Zahl von Krippenkindern durch die frühe und lang andauernde Trennung von ihren Eltern und die ungenügende Bewältigung der Gruppensituation emotional massiv überfordert ist. Demnach wirkt sich die Krippenbetreuung weder kompensatorisch noch schützend aus. "Alles in allem steht fest, dass Krippenbetreuung die Stressregulation auch langfristig negativ beeinflusst. Und: Das in der Öffentlichkeit verbreitete Mantra ist falsch, alle Probleme der Krippenbetreuung ließen sich alleine mit Qualität lösen. Erhöhte Stressbelastung und vermehrte Verhaltensauffälligkeiten wurden mittlerweile auch bei ersten systematischen Untersuchungen zur U3-Betreuung in Tagespflege gefunden. Durch nichts zu belegen ist dagegen die Hoffnung auf Förderung des Sozialverhaltens, die viele Eltern derzeit einen frühen Krippenbesuch in Betracht ziehen lässt.

Fortsetzung des Textes im Artikel von Dr. Albert Wunsch, Erziehungswissenschaftler, Psychologe und Autor auf: http://www.andreas-unterberger.at/2015/04/intensive-krippen-betreuung-als-latent-destabilisierender-einfluss/

Wir laden daher mit dieser Petition Frau Familienministerin Sopie Karmasin ein, sich auch in Fremdbetreuung von Kindern kritisch sehenden Studien einzulesen und entsprechende Schritte für mehr elterliche Wahlfreiheit in der Kinderbetreuung im Sinne unserer Kinder zu setzen. Der Ausbau von Krippenplätzen kostet die Steuerzahler 6-stellige Millionbeträge. Es ist daher nur recht und billig, auch den Familien einen Teil dieses Kuchens (siehe diverse Wahlversprechen) für Ihre nachhaltige "Erziehungsleistung" auszuhändigen und Eltern und Kinder so dirket - und nicht über den "Umweg" der Fremdbetreuung - zu unterstützen.


Weitere Informationen:

Video dazu: http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=44317

FAZ-Artikel: http://www.univie.ac.at/wiki-projekt/texte/frankfurter_allgemeine_april_12.pdf

http://schreibfreiheit.eu/2014/08/15/sophie-karmasin-fur-wirtschaft-fur-ideologie-und-gegen-kinder/


[i] Die Journalistin Kathleen Parker, deren familienorientierte Rubrik in der Washington Post in zahlreichen amerikanischen Zeitungen nachgedruckt wird, sieht in dem NICHD-Bericht einen Hinweis darauf, "dass wir eine Generation von Kindern erziehen, die für die Schule, aber nicht für die Gesellschaft vorbereitet wird".

[ii] Der Abschlussbericht zu dieser 'größten Langzeitstudie zur frühkindlichen Fremdbetreuung von Kleinkindern in den USA' wurde in der Zeitschrift "Child Development", März/April 2007 veröffentlicht.

[iii] Er war Kongresspräsident der 63. wissenschaftlichen Jahrestagung der DGSPJ (Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin) 2011 in Bielefeld.

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Kinderbetreuung: Wahlfreiheit und Bindungsqualität statt Krippendruck!

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Karmasin!

Sie sagen, dass sich die frühkindliche Fremdbetreuung positiv auf die Entwicklung insgesamt und auch auf die weitere "Bildungskarriere" auswirkt. Sie sagen, dass die Krippe eine Bildungschance ist.

Der Krippe kommt eine wichtige Ersatzfunktion in besonderen Lebensbedingungen von Eltern zu. Sie ist aber keinesfalls ein zu favorisierendes Idealmodell. Babys und Kleinstkinder brauchen keine Verschiebebahnhöfe zwischen elterlichem Heim und staatlich finanzierter Fremdbetreuung. Sie brauchen Zeit, Zuwendung, konstante Bezugspersonen und sie liebende, anwesende und für sie gut sorgende Mütter und Väter. Viele Studien zeigen die Gefahren zu früher außerhäuslicher Betreuung auf. Bitte experimentieren Sie nicht auf dem Rücken der Kleinsten!

Sie planen, Krippenplätze auszubauen. Weshalb fordern Sie dann nicht konsequenterweise auch mehr finanzielle Unterstützung für die familiäre Betreuung unserer ganz Kleinen? Nur so ist echte Wahlfreiheit gegeben. Von einer Familienministerin erwarten sich Familien die Ermöglichung der selbst gewählten Familienmodelle.

Von Ihnen als Familienministerin wünschen wir uns, dass Sie das Wohl der Kinder und die freie Lebensgestaltung der Familien als primäres Anliegen im Auge haben. Wir brauchen Rahmenbedingungen in denen Liebe, Beziehung, Miteinander und stressfreies Aufwachsen unserer Kinder möglich sind. Wirtschaftförderung und Erwerbstätigkeitsstatistiken müssen diesen Prinzipien nachgestellt werden.

Sehr geehrte Frau Familienministerin, wir zählen auf entsprechende Veranlassungen und auf Ihre Unterstützung.

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